Heutzutage sind im Handel eine Vielzahl verschiedenster Futtertiere zu bekommen. Abwechslung auf dem Speiseplan ist für Chamäeleons essentiell. Die wichtigsten Futtertiere sind hier kurz vorgestellt. Ein paar Futtertier-Onlineshops sind hier gelistet. Futtertiere können auch selbst gefangen werden.
Heuschrecken
(Locusta migratoria, Schistocerca gregaria)
Heuschrecken sind fast überall erhältlich. Frisch geschlüpfte Exemplare haben eine Größe von wenigen Millimetern, ausgewachsene Imagos können dagegen bis zu 7 cm groß werden. Ein hochwertiges Futterinsekt ohne Schädlingspotential. Sie können frei verfüttert werden, weil sie sich nicht verstecken und in der Regel potenzierte, lichtnahe Plätze aufsuchen, wo sie schnell gefressen werden können.
Unterscheidung: Wanderheuschrecken haben komplett schwarze Augen, Wüstenheuschrecken nicht.
Schaben
(Blaptica dubia, Blaberus craniifer, Shelfordella tartara, Panchlora nivea, Periplaneta americana)
Schaben sind sehr hochwertiges Futter. Im Fachhandel sind die unterschiedlichsten Schabenarten verfügbar, die große Unterschiede in der Akzeptanz als Futtertier als auch im Schädlingspotential aufweisen. Keinerlei Schädlingspotenzial weist Panchlora nivea (Grüne Schabe, Bananenschabe) auf. Auf Grund der Farbe und des weichen, ungepanzerten Körpers wird sie von Chamäleons bevorzugt angenommen. Im Gegenzug sind die Haltungsbedingungen von grünen Schaben etwas anspruchsvoller als z.B. die argentinische Waldschabe (Blaptica dubia), die man in einer Ikea-Samla-Box mit Eierkartons und etwas Futter problemlos halten und vermehren kann.
Vorsicht beim Kauf von Arten wie Schokoschaben (Shelfordella tartara) oder amerikanischen Großschaben (Periplaneta americana) - gelangen Weibchen dieser Arten frei in die Wohnung, können sie sich problemlos vermehren. Leider halten es diese Arten auch über Monate ohne Futter aus, so dass man sich leicht eine lästige Plage ins Haus holen kann. Solche Schaben-Arten sollten auch nicht frei ins Chamäleonterrarium gegeben, sondern kontrolliert verfüttert werden.
Grillen und Heimchen
(Gryllus bimaculatus, Gryllus assimilis, Acheta domestica)
Gängige Futterinsekten, werden gern gefressen. Zirpen laut und ausdauernd, können sehr weit und hoch springen und entwickeln oft ein beachtliches Geruchspotential. Hochwertiges Futter. Leider Schädlingspotential. Für eine eigene Futtertierzucht eignen sich Gryllus assimilis (Steppengrillen) am besten, da sie das geringste Schädlingspotential der o.g. Arten besitzen und weniger ausdauernd zirpen. Bei ruhigem Händeln springen die Grillen nur selten. Bei starkem Überbesatz eines Beckens kann es zu Kannibalismus unter den Grillen kommen. Möchte man keinen Nachwuchs, sollte man den Behälter so trocken wie möglich halten. Die Weibchen geben die Eier mittels ihres Legestachels in den Bodengrund ab. Ist dieser feucht, schlüpfen nach einiger Zeit Microgrillen (die Größe ist nicht zu unterschätzen! Sie passen wirklich durch nahezu jede Gaze und klettern auch an den Silikonverbindungen von Glasbecken hoch).
Gryllus bimaculatus (Mittelmeer-/Zweifleckgrillen) besitzen das stärkste Geruchspotential und werden deshalb von manchen Tieren nicht oder nur ungern genommen. Sie werden am Größten der oben genannten Grillenarten und zirpen am ausdauerndsten und lautesten.
Wachsmaden und -motten
(Galleria mellonella, Achroea grisella)
Wachsmaden haben einen sehr hohen Nährwert und sollten daher nur sporadisch (maximal einzelne über's Jahr verteilt) verfüttert werden. Beide Arten können sich problemlos durch Plastik fressen und klettern mühelos glatte Flächen empor. Bitte daher immer fest verschlossen aufbewahren! Nistet sich nicht als Hausschädling ein, kann sich aber bis zum Verpuppen durch viele Stoffe, Bücher und Tapeten hindurchfressen und Schaden verursachen. Die aus den Puppen schlüpfenden Motten "stauben" etwas, eignen sich aber sehr gut als Futtertier. Fliegende Insekten werden von den meisten Chamäleons lieber geschossen als krabbelnde.
Stuben- und Goldfliegen
(Musca domestica, Lucilia sericata)
Sehr gern genommen werden alle Arten von Fliegen. Sie steigern die Aktivität der Chamäleons, weil sie aktiv gejagt werden; haben aber nur einen eher geringen Nährwert.
Fliegenmaden, die später zu Puppen und zu fertigen Fliegen werden, kann man günstig im Angelfachgeschäft erwerben. Hier liegen die Preise deutlich unter denen im Zooladen. Ferner bekommt man mit Glück und nettem Nachfragen Puppen manchmal sogar umsonst. Diese sind für das Angelgeschäft unverkäuflich und würden sowieso entsorgt werden.
Soldatenfliegen
(Hermetia illucens)
Im Gegensatz zu allen anderen Maden und "Würmern" handelt es sich bei der Made der Soldatenfliege um ein extrem hochwertiges Futtertier, da sie ein enorm gutes Kalzium-Phosphor-Verhältnis von etwa 12:1 aufweist. Hier darf das Chamäleon ruhig zugreifen. Die aus den Puppen später schlüpfenden Fliegen haben wenig Nährwert, werden aber von vielen Tieren gern gefressen. Sie fliegen etwas langsamer bzw. behäbiger als Stubenfliegen, weshalb sie leicht erbeutet werden können.
Fruchtfliegen
(Drosophila melanogaster, Drosophila hydei)
Zur Aufzucht von Jungtieren eignen sich besonders Fruchtfliegen. Sie gibt es als kleine (Drosophila melanogaster) und große (Drosophila hydei) Form, jeweils flugunfähig oder flugfähig gezüchtet (Vorsicht, auch unter den flugunfähigen können immer Exemplare fliegen!). Zuchtansätze und sogenannte "Instantpulver" gibt es im Zoofachhandel, man kann Fruchtfliegen aber auch sehr gut mit selbst hergestelltem Futterbrei oder Obst aufwerten.
Mehlwürmer und Mehlkäfer
(Tenebrio molitor)
Die Larven der Mehlkäfer bilden das wohl bekannteste Futter für Reptilien. Sie sind leicht zu züchten und haben einen hohen Akzeptanzwert bei fast allen Tieren. Durch ihren hohen Protein und Fettgehalt sind sie jedoch nur eingeschränkt als Futter zu empfehlen. Man sollte sie selten, am besten aber gar nicht, reichen. Ferner bergen Mehlwürmer immer ein gewisses Schädlingspotential, da sie sich u.U. in heimischen Vorräten einnisten können. Die aus den Puppen später schlüpfenden Mehlkäfer können jedoch gerne an Chamäleons verfüttert werden.
Zophobas und Großer Schwarzkäfer
(Zophobas morio)
Die Larven des Schwarzkäfers, auch "superworms" genannt, bilden durch ihre Größe ein gutes Futter für größere Tierarten, für Chamäleons sind sie weitestgehend ungeeignet. Auch diese Larven sind wegen des hohen Fett- und Proteingehalt nur schlecht als Futter geeignet. Der Schwarzkäfer dagegen kann ähnlich dem Mehlkäfer häufiger verfüttert werden.
Schnecken
(Helicidae, Achatinidae)
Schnecken stellen auf Grund des Calciumanteils (Gehäuseschnecken) eine wertvolle Ergänzung auf dem Speiseplan dar. Wie immer ist beim Einsammeln von Schnecken in der Natur zu beachten, dass gefangene Tiere nicht unter Naturschutz stehen dürfen. Weinbergschnecken sind zum Beispiel tabu. In Deutschland sind die Schnirkelschnecken ein leicht zu findendes Chamäleonfutter. Achatschnecken kann man frisch geschlüpft bzw. noch sehr jung ebenfalls verfüttern, diese lassen sich auch relativ simpel zu Hause vermehren.
Tebo-Raupen und -motten
(Chilecomadia moorei)Die Raupen der südamerikanischen Motte Chilocomadia moorei werden wild an Trevoa trinervis-Büschen in Chile gesammelt, inzwischen aber auch kommerziell gezüchtet. Teils werden sie auch als "butterworms" angeboten. Sie haben einen guten Nährwert (nach Aufwertung durch entsprechende Zufütterung), haben jedoch einen langen Importweg hinter sich und sind dementsprechend ausgemergelt. Kommerziell gezüchtet trifft das weniger zu. Die Raupen sollten seltener angeboten werden, wohingegen die Motten prima Futter sind.
Rosenkäfer und -larven
(Pachnoda marginata)
Die Larven des Rosenkäfers kann man immer häufiger im Zoogeschäft oder auf Börsen erwerben. Sie stellen ein gutes Futter dar, das jedoch sehr protein und fettreich ist und deshalb ähnlich wie Wachsmottenlarven oder Mehlwürmer nur selten bis gar nicht verfüttert werden sollte. Die Tiere haben sehr kräftige Mundwerkzeuge, weshalb man hier Vorsicht beim Verfüttern walten lassen sollte. Die aus den Puppen schlüpfenden Rosenkäfer sind für die meisten Chamäleons auf Grund ihrer Größe nicht als Futter geeignet (lediglich für sehr große Arten wie Trioceros melleri).
Bohnenkäfer
(Callosobruchus quadrimaculatus)
Diese Art ist leicht zu halten und zu vermehren, sie brauchen lediglich Schwarzaugenbohnen als Nahrung, in welche sie Gänge bohren/fressen. Schwarzaugenbohnen erhält man in jedem Asialaden recht günstig. Die Bohnen dienen sowohl als Nahrung als auch als Brutstätte für die Nachkommen. Selbst bei Zimmertemperatur "explodieren" die Ansätze alle paar Wochen regelrecht und man einen Teil verfüttern, den anderen für neue Ansätze nutzen. Bohnenkäfer sind auf Grund ihrer Größe vor allem für kleine Chamäleonarten und Jungtiere sehr gut geeignet. Wegen ihres festen Panzers verschmähen einige Chamäleons sie.
Stabschrecken
(Medauroidea extradentata, Ramulus artemis, Sypiloidea sypilus)
Stabschrecken können auf den meisten Börsen oder im Internet erworben werden. Leicht zu züchtende, geräuschlose, Insekten, welche für ihre hohen Reproduktionsraten und vergleichsweise langen Entwicklungszyklen bekannt sind. Bei der Wahl einer Stabschreckenart als Futtertier sollte darauf geachtet werden, dass sie sich von ungiftigen Pflanzen ernährt und nicht über Abwehrmechanismen wie Wehrdrüsen oder dornige Körperfortsätze verfügt. Häufig angeboten und leicht zu vermehren sind die Indische Stabschrecke (Carausius morosus) und die Annam-Stabschrecke (Medauroidea extradentata), welche ganzjährig Brombeerzweigen gefüttert werden können. Die Verfütterung kann sich aufgrund der Trägheit und Nachtaktivität, als etwas problematisch erweisen, auf Besprühen mit Wasser oder bei der Fütterung mit Pinzette reagieren die Stabschrecken jedoch meist mit zappeligen Bewegungen , so dass sie von den Chamäleons besser erkannt werden.
Erbsen- und Weizenblattläuse
(Acyrthosiphon pisum, Diuraphis noxia)
Blattläuse werden immer mehr im Zoohandel angeboten und eignen sich hervorragend als Futter für kleinbleibende Chamäleonarten oder Jungtiere. Durch ihre grüne Farbe und die weiche Konsistenz werden sie sehr gerne gefressen und stellen eine sehr gute Alternative zu Drosophila und Bohnenkäfern dar.
Buffalo-Würmer und glänzendschwarzer Getreideschimmelkäfer
(Alphitobius diaperinus)
Die Larven des Getreideschimmelkäfers sind ähnlich allen anderen Larven wegen ihres hohen Fett- und Proteingehalt kaum zum Verfüttern an Chamäleons geeignet. Stattdessen kann man abwarten, bis die Larven sich verpuppen und daraus Käfer schlüpfen. Diese widerum stellen ein deutlich hochwertigeres Futter da. Getreideschimmelkäfer können sich v.a. in Mehl, Brotresten und anderen Lebensmittelvorräten bei guter Luftfeuchtigkeit vermehren.
Seidenraupen und Seidenspinner
(Bombyx mori)
Inzwischen werden immer öfter auch Seidenraupen im Handel angeboten. Diese hochwertigen, weichen und gut verdaulichen Futtertiere verzehren Unmengen Maulbeerblätter am Tag. Sie fressen nichts anderes, weshalb sie schwierig zu vermehren und zu halten sind. Entsprechend teuer werden sie als Futtertiere verkauft. Aus den Puppen schlüpfen Seidenspinner, die ebenfalls gute, aber unverhältnismäßig aufwändige Futterinsekten darstellen.
Ofenfischchen
(Thermobia domestica)
Ofenfischchen sind einfach bei Wärme zu haltende, genügsame Futtertiere. Sie fressen so gut wie alles, auch Eierkartons. Daher sollte immer ausreichend Frischfutter angeboten werden. Auf Grund ihrer sehr geringen Größe von maximal 12 Millimetern sind sie nur für kleine Chamäleonarten oder Jungtiere geeignet. Ofenfischchen lieben die Dunkelheit, weshalb sie frei verfüttert sofort innerhalb des Terrariums verschwinden. Diese Futtertiere sollten daher besser im Becher angeboten werden.

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